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ANTON CORBIJN – BRINGT MUSIK AUF FILM

Bis zum 31. Januar lief die Ausstellung von Anton Corbijn im Amerika Haus in Berlin. Hat es sich gelohnt hauptsächlich nur für eine Ausstellung durch halb Deutschland zu reisen? Doch, ja.

Anton Corbijn wurde 1955 in den Niederlanden geboren. Mit 17 Jahren nimmt er zum ersten mal die Kamera in die Hand um bei einem Konzert weiter vorne stehen zu können. 1979 zieht er nach London, und arbeitet als Fotograf für das Magazin „New Musical Express“. Hier trifft er zahlreiche Künstler, mit denen er noch bis heute zusammenarbeitet.

Es folgen 19 veröffentlichte Fotobücher, zahlreiche Musikvideos, unter anderem Nirvanas „Heart Shaped Box“, für das er 1994 den MTV Award erhielt und Spielfilme wie „Control“ oder „The American“ mit George Clooney sowie zahlreiche Artworks und Album-Cover für u.a. R.E.M., Depeche Mode, Grönemeyer ,…
Kaum ein Fotokünstler fasziniert mich so sehr wie er. Es mag vielleicht auch daran liegen, dass er sich durch eine mir sympathische Musikszene durchfotografiert hat, aber in erster Linie liebe ich den Stil den von ihm geprägten Stil.

Seine Ausrüstung? Minimalistisch. Digital? Analog. Seine Bilder? Manchmal unvollkommen. Das Licht? Natürlich.

Genau das ist es, was den Reiz Corbijns Fotos ausmacht: grobkörnig, schwarz-weiß und verdammt ehrlich. Man merkt es den Bildern an, dass er, als Haus und Hof-Fotograf von U2 und Depeche Mode, oftmals scherzhaft als zusätzliches Bandmitglied betitelt wurde.

Auch inszenierte Bilder wirken wie ein Blick hinter die Fassade des Portraitierten; es ist eine gewisse Intimität vorhanden, die aber niemals bloßstellt. Ein einziges Foto schafft es, eine ganze Geschichte zu erzählen.

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Seine Schwester sagte in einem Interview, dass die Kinder, aufgewachsen in einem Pastoren-Haushalt, oft allein waren: „Wir hatten keine andere Wahl, als das Sehen zu lernen.“

Vielleicht muss man auch eine etwas melancholische Seele haben, um Fotos, Videos oder Filme zu machen, die tiefer gehen als es uns das oftmals oberflächliche und glatte Show-Biz zeigen mag.

Auf die Frage, wie man sich seine Fotoshootings vorstellen muss, antwortet Corbijn:

„Ich bin bescheidener als Sie denken. Ich habe nur manchmal einen Assistenten dabei. Ich bin der Meinung, dass Fotografie eine sehr einfache Sache ist. Ich treffe die Leute – und die Kamera ist nur so etwas wie ein Aufnahmegerät. Meine Arbeit hat nichts mit dem Zirkus zu tun, den andere Leute auffahren, auch wenn man natürlich auch damit ein hervorragendes Foto machen kann.“ – Quelle 

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Zu seinem 60. Geburtstag zeigte das c/o in Berlin vom 07.11.2015 bis zum 31.01.2016 eine Retrospektive mit rund 600 Bildern. Auf zwei Etagen gab es einen Querschnitt seiner fotografischen Arbeiten über vier Jahrzehnte zu sehen – von bislang unveröffentlichten Bildern bis hin zu konzeptionellen Serien.

„I was always looking for inner beauty and struggle.“Anton Corbijn

Der Rundgang durch die Ausstellung machte den Eindruck, dass es wirklich keinen gab, den er nicht vor seiner Linse hatte. Gut, die „alten Kempen“ von Nick Cave, David Bowie, Rolling Stones, Joy Division … etc. waren mir bekannt. Überrascht hatten mich aber auch Fotografien von Pavarotti, Dani de Vito (herrlich getroffen), Stephen Hawking, Ai Weiwei, und … Elvis Presley?

a.somebody sind Selbstportraits von 21 bereits verstorbenen Musikern, die den Fotografen geprägt haben. Wie hätte ein Portrait ausgesehen, wenn sie in seine Heimatstadt Strijn gekommen wären? Wohl genauso. Corbijn inszenierte sich selbst täuschend echt beispielsweise als a.cobain, a.marley oder a.zappa. Einer der wenigen Shootings, bei denen ein Assistent vor Ort war – wenn auch nur um den Auslöser zu drücken.

Anton Corbijn – für Musikliebhaber und Fans ehrlicher Portraitfotografie ein echter Tipp.

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